Kalk oder Lehm? Ihre Fragen, unsere Erfahrung.

  • Hilft Kalkputz gegen Schimmel – und wo liegen die Grenzen?
  • Ist Kalkputz für das Badezimmer geeignet?
  • Was bringt Kalkputz für das Raumklima?
  • Und was ist bei Lehm anders?
  • Reguliert Lehmputz tatsächlich die Luftfeuchtigkeit?
  • Kann man Lehmputz im Badezimmer verwenden?
  • Kalkputz oder Lehmputz – was ist nun besser?

Kalkputz gegen Schimmel, Lehmputz im Bad, Feuchtigkeit und Raumklima: Wir beantworten einige der Fragen, die uns bei der Beratung zu Kalk- und Lehmoberflächen immer wieder begegnen.

Über Kalk- und Lehmputze haben wir bereits in einem früheren Beitrag geschrieben. Dort ging es vor allem um die Materialien selbst, ihre natürlichen Bestandteile und die Möglichkeiten, die wir damit bei der Gestaltung von Räumen haben. Hier Mehr Lesen

In der Beratung geht es meistens schnell einen Schritt weiter. Dann kommen ganz konkrete Fragen: Hilft Kalkputz wirklich gegen Schimmel? Kann ich Lehm im Badezimmer verwenden? Welcher der beiden Putze kann besser mit Feuchtigkeit umgehen? Und was ist eigentlich besser – Kalk oder Lehm?

Die letzte Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Beide Materialien haben sehr gute Eigenschaften, aber eben auch Unterschiede, die man kennen sollte.

Hilft Kalkputz gegen Schimmel – und wo liegen die Grenzen? 

Kalkputze haben eine relativ hohe Alkalität mit einem pH-Wert von etwa 11 bis 14. Je höher der pH-Wert ist, desto schlechter sind die Lebensbedingungen für viele Mikroorganismen.

Besonders gut funktionieren hier reine Kalkputze auf Basis von Sumpfkalk ohne organische Zuschläge. Organische Bestandteile können, ähnlich wie bei Lebensmitteln, wiederum einen Nährboden für Mikroorganismen bilden.

Trotzdem wäre es falsch zu sagen: Ich nehme Kalkputz und damit ist mein Schimmelproblem erledigt.

Die Grenze liegt meistens nicht beim Kalkputz, sondern bei den Bedingungen, unter denen der Schimmel entsteht. Schimmel braucht je nach Gattung Feuchtigkeit und entsprechende Temperaturen. Bei den Temperaturen haben wir schon das erste Problem: Schimmel fühlt sich leider bei ähnlichen Temperaturen wohl wie wir Menschen. Niemand wird seine Wohnung auf 0 °C herunterkühlen, damit der Schimmel schlechtere Wachstumsbedingungen hat.

Der wesentlich interessantere Punkt ist deshalb die Feuchtigkeit.

Schimmel wächst, je nach Gattung, bei einer hohen oberflächennahen Materialfeuchte. Kalkputz selbst kann damit grundsätzlich gut umgehen. Auf feuchten Oberflächen haftet allerdings auch Staub besser. Staub enthält organische Bestandteile und damit ist wieder ein möglicher Nährboden vorhanden.

Im ungünstigen Fall schimmelt also nicht zuerst der Kalkputz selbst, sondern das, was sich auf seiner Oberfläche abgelagert hat.

Wenn wir ein echtes Schimmelproblem haben, müssen wir deshalb herausfinden, warum die Oberfläche so feucht wird. Ist die Wand zu kalt? Entsteht Kondenswasser? Gibt es eine Wärmebrücke? Muss gedämmt oder beheizt werden, damit die Oberflächentemperatur steigt? Hier mehr über Schimmel

Kalkputz kann sehr gute Voraussetzungen schaffen. Eine bauphysikalische Ursache für zu viel Feuchtigkeit kann er aber nicht reparieren.

Ist Kalkputz für das Badezimmer geeignet?

Ja. Gerade in Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit spielt ein guter Sumpfkalkputz seine Stärken aus.

Interessant wird es, wenn man sich einmal anschaut, wie viel Wasser ein solcher Putz überhaupt aufnehmen kann.

Bei einer Schichtdicke von ungefähr 3 mm können geeignete Sumpfkalkputze bis zu 1,25 Liter Wasser pro Quadratmeter Fläche aufnehmen und speichern.

Noch interessanter ist für mich aber die Rücktrocknung. Unter trockenen Umgebungsbedingungen kann die gespeicherte Feuchtigkeit bis zu viermal schneller wieder abgegeben werden, als wenn das Wasser einfach auf dem Boden liegen und dort verdunsten würde.

Gerade im Badezimmer ist das natürlich eine interessante Eigenschaft. Beim Duschen haben wir für relativ kurze Zeit eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Der Putz kann einen Teil dieser Feuchtigkeit aufnehmen und später, wenn die Raumluft wieder trockener wird, zurückgeben.

Ein weiterer Unterschied zu Lehm ist wichtig: Kalkputz ist nicht feuchtereversibel. Er löst sich unter Feuchteeinwirkung nicht wieder an.

Das bedeutet trotzdem nicht, dass jede Kalkoberfläche automatisch für jede Fläche im Bad geeignet ist. Eine Wand, die mit hoher Luftfeuchtigkeit zu tun hat, ist etwas anderes als eine Fläche, die jeden Tag direkt mit Wasser belastet wird. Das muss man bei der Auswahl des Materials und des Oberflächenaufbaus berücksichtigen.

Was bringt Kalkputz für das Raumklima?

KalkKind

Die Feuchteregulierung ist sicher eine der Eigenschaften, die man im Alltag am ehesten merkt. Der Putz nimmt Feuchtigkeit auf, speichert sie und gibt sie bei trockeneren Bedingungen wieder ab. Dadurch werden Feuchtespitzen im Raum gepuffert.

Sumpfkalk hat aber noch eine andere interessante Eigenschaft. Er härtet durch die Aufnahme von CO₂ aus der Luft aus und wird dabei wieder zu Kalkstein. Diesen Vorgang nennt man Carbonatisierung.

Kalkputze sind außerdem antistatisch und ihre hohe Alkalität schafft ungünstige Bedingungen für Schimmel und andere Mikroorganismen.

Für mich ist deshalb nicht eine einzelne Eigenschaft das Interessante an Kalk, sondern das Zusammenspiel: ein mineralischer Putz, der Feuchtigkeit aufnehmen und schnell wieder abgeben kann und gleichzeitig eine hoch alkalische Oberfläche besitzt.

Und was ist bei Lehm anders?

Lehm ist im Grunde ein sehr einfacher Baustoff. Er besteht hauptsächlich aus Ton, Schluff – also sehr feinen Erdteilchen – und Sand. Der Ton übernimmt dabei die Funktion des Bindemittels.

Lehm kann Wärme gut speichern und später wieder abgeben. Durch Zuschläge wie zum Beispiel Stroh lassen sich auch seine wärmedämmenden Eigenschaften beeinflussen.

Was Lehm für Innenräume besonders interessant macht, ist aber ebenfalls sein Verhalten gegenüber Feuchtigkeit.

Reguliert Lehmputz tatsächlich die Luftfeuchtigkeit?

Ja, und das kann Lehm sehr gut.

Lehm nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, speichert sie und gibt sie wieder ab, wenn die Luft trockener wird.

Genau an diesem Punkt entsteht allerdings häufig ein Missverständnis. Wenn wir sagen, dass Lehm sehr gut mit Feuchtigkeit umgehen kann, bedeutet das nicht automatisch, dass er auch sehr gut mit Wasser umgehen kann.

Das sind zwei verschiedene Dinge.

Kann man Lehmputz im Badezimmer verwenden?

Matteo Brioni

Ja, aber ich würde genau darauf achten, wo im Badezimmer.

Reiner Lehmputz ist durch Wasser wieder anlösbar. Auf Wandflächen, die keiner direkten Spritzwasserbelastung ausgesetzt sind, kann er auch im Badezimmer eingesetzt werden. Direkt in einer Dusche würde ich einen reinen Lehmputz dagegen nicht verwenden.

Auch der Bodenanschluss ist ein Detail, das gerne vergessen wird. Dort würde ich mit einer geeigneten Sockelleiste beziehungsweise einem entsprechenden Anschluss verhindern, dass Wasser vom Boden direkt an den Lehmputz gelangt.

Natürlich gibt es auch Lehmputze, denen Zement, Kunststoffe oder andere Stoffe zugesetzt werden. Damit kann man das Material härter und weniger feuchtereversibel machen. Mit entsprechenden Versiegelungen gibt es Systeme, die sogar auf Böden eingesetzt werden können.

Nur muss man sich dann irgendwann auch die Frage stellen, ob wir noch über die Eigenschaften sprechen, wegen denen wir uns ursprünglich für einen natürlichen Lehmputz entschieden haben.

Kalkputz oder Lehmputz – was ist nun besser?

KalkKind

Das werde ich tatsächlich immer wieder gefragt. Ich würde aber nicht sagen, dass eines der beiden Materialien grundsätzlich besser ist.

Kalk hat für mich eindeutige Vorteile in Bereichen, in denen Feuchtigkeit eine größere Rolle spielt. Dazu kommen seine hohe Alkalität und die Tatsache, dass er sich bei Feuchteeinwirkung nicht wieder anlöst.

Auch gestalterisch ist mit Kalk sehr viel möglich. Wir können unterschiedliche Strukturen herstellen, es gibt viele Naturfarbtöne und auch ein wirklich strahlendes Weiß.

 Matteo Brioni

Lehm hat eine andere Wirkung. Er kann ebenfalls sehr gut Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, speichert Wärme und bringt durch seine natürlichen Farbtöne eine eigene Wärme und Behaglichkeit in einen Raum. Die Farbauswahl ist gegenüber Kalk etwas eingeschränkter und ein strahlendes Weiß bekommt man mit einem reinen Lehmputz nicht.

Für mich beginnt die Entscheidung deshalb nicht mit der Frage „Was ist besser?“, sondern mit dem Raum.

Wie wird er genutzt? Wie hoch ist die Feuchtebelastung? Gibt es Bereiche mit direktem Wasserkontakt? Welchen Untergrund haben wir? Welche Farbe, Struktur und Wirkung soll am Ende entstehen?

Erst danach entscheide ich, welches Material ich empfehlen würde.

 

Mehr über Kalk und Lehm

Wenn Sie zunächst wissen möchten, wie Kalk- und Lehmputze aufgebaut sind, worauf wir bei natürlichen Materialien achten und welche gestalterischen Möglichkeiten damit möglich sind, haben wir das bereits in einem früheren Beitrag ausführlicher beschrieben.

Dort zeigen wir auch, wie sich Kalk und Lehm mit natürlichen Wandbekleidungen und passenden Bodenmaterialien kombinieren lassen.

 Mehr über Kalk und Lehm und natürliche Raumgestaltung lesen

Und wenn Sie die Materialien nicht nur auf einem Bildschirm sehen möchten, können Sie sich verschiedene Kalk- und Lehmoberflächen bei uns im Wies à vis in Ulm ansehen und anfassen.

Denn bei aller Technik bleibt am Ende noch etwas, das sich schlecht über einen Bildschirm vermitteln lässt: Wie fühlt sich die Oberfläche an? Wie wirkt die Struktur im Licht? Und welcher Farbton funktioniert tatsächlich mit den anderen Materialien im Raum? 

Sie möchten mehr über Kalk, Lehm oder andere Möglichkeiten für Ihre Räume erfahren? Sprechen Sie uns gerne an

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